Abschlussfeier!

Abschlussfeier! Na? Was habt ihr in den drei Wochen gelernt. --- "hm na ja, eigentlich dachte ich dass ich am Ende besser Deutsch sprechen könnte. Die Zeit verging recht schnell." Ja, so ist das im Austauschjahr. Es war aber jedenfalls eine große Freude noch mit allen Gastfamilien etwas zu unternehmen und von ihnen was zu hören.

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Erster Tag: Kennenlernen

Nach dem Elternabend von vor ein paar Wochen (Lehrer nicht anwesend), haben sie sich auf 9:00 geeinigt für das Frühstück. Wir, Lehrer, wollten uns um 8:30 vor der Schule treffen, um sicher zu sein, dass die Gastfamilien nicht früher ankommen als wir. Ich bin seit 3 Jahren in Frankreich und dachte mir, da käme niemand vor 9:30 an. Und letztendlich stellt sich heraus, dass um 8:30 sogar schon ziemlich viele Leute da waren und um 9 schon längst alle --- außer mir... (und ich musste schon 50 ct Strafgeld zahlen, was wir eigentlich in der ersten Unterrichtsstunde einführen wollten...)

Mein erster Eindruck: die Amerikaner sprechen extrem gut Deutsch, trotz jeglichen Clichés. Eigentlich muss man nur ganz langsam reden und die verstehen ganz gut alles, was wir sagen wollen.

Wie sieht's aus bei den Japanern? Still... Oder? Ne, doch nicht ganz. Genauer gesagt: da waren einige die gerne sprachen, andere vielleicht nicht ganz. Okay, das Niveau scheint nicht überall gleich zu sein.

Die Gastfamilien waren alle ganz offen und freundlich, wie ich mir vorgestellt hatte. Und wie ich befürchtet habe, war ein typisches Problem in Deutschland: Englisch. Die Deutschen denken tendenziell, dass sie Englisch sprechen müssten, wenn Ausländer da sind. Es wird in der Fakultät für Physik an der Uni Göttingen auch normalerweise Englisch gesprochen wenn EIN Student dabei ist der kein Deutsch kann. Ja, ich weiß dass die Deutschen Englisch können, aber das Ding ist einfach, die Austauschschüler sind ja gerade deswegen da, um KEIN Englisch zu sprechen.

So, der Unterricht. Ich habe einfach mal die Schüler abgefragt: Wie war euer Wochenende?

"Ja, ganz gut."

Das wars? Wo wart ihr?

"so außerhalb von Husum, aber ich weiß nicht so genau wo"

Stimmt, das ist irgendwie so ein Problem bei den Teenagern. Und hoffentlich werden sie sich eines Tages ihres Glücks bewusst, auch vielleicht ein paar Jahre später. (Zehn Jahre später, wenn sie Sam heißen).

Nach dem Frühstück habe ich erstmal die Schüler alleine reden lassen, damit sie halt einmal kurz ganz normal atmen können nach einem intensiven Wochenende in der Gastfamilie.

Heute hatten wir generell das Problem, dass es ganz viele Sachen gab die uns fehlten, zum Teil auch deswegen, weil in dem Materialpaket nicht so viel drin war wie wir dachten. Na ja, nicht so schlimm. Ich konnte dadurch auch besser mit den Schülern reden. Hierbei muss ich sagen, dass sie sehr gut mit der deutschen Unterrichtsweise durchgekommen sind, d.h. einfach offen sprechen und Fragen stellen. Das ist gerade sehr schwierig für japanische Schüler.

Ich fand's schade, dass es erstmal keine Kommunikation gab zwischen den amerikanischen und japanischen Schülern heute. Es ist natürlich für sie so oder so schwierig aber dazu kommt auch noch dieser Unterschied des Sprachniveaus. Zumindest habe ich hinterher einen Volleyball und zwei Tischtennisschläger gekauft. Mal schauen wie es sich weiter entwickelt.

Nach dem Mittagessen ging's weiter mit dem Orientierungsunterricht. Ich hab sie dazu aufgefordert, so die Gefühle bei dem Abschied, beim Abflug, bei der Landung, beim ersten Treffen mit den Gastfamilien usw. aufzuschreiben. Die Zettel habe ich eingesammelt. Hinterher fragten sie mich "wieso machen wir so eine komische Aufgabe?". Aha. Stimmt, wenn man noch nie den Fehler gemacht hat, etwas nicht aufgeschrieben zu haben, vor allem das, was man nie wieder genau wiederherstellen kann, so wie der Anfang eines Aufenthalts im Ausland, ist es sehr schwierig für sie sich vorzustellen, wie man sich hinterher fühlt, wenn es zu spät ist. Ich bin mittlerweile sehr alt :)

Das war's mit dem ersten Tag. Im Materialpaket war auch ein Liederbuch und eine CD, aber ich hätte echt gerne eine Gitarre.

Dienstag 5. August

So, nach der Überraschung am ersten Tag, dass sie im Unterricht so viel reden konnten, habe ich entschieden, einfach mal viel Diskussion in den Raum zu werfen und schauen was passiert. Heute hatten wir das Thema "Familie". (Dank an Miyu für die Notiz)

Es ist ganz schön, dass die Familienkonstellation in Deutschland recht ähnlich ist wie in Japan, wodurch das Ganze im Unterricht mir leichter fiel. Vor allem zum Beispiel das mit den neuen Familientypen wie Regenbogenfamilie oder Patchworkfamilie haben sie kein Problem. Es ging hauptsächlich um Familienfeste wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag.

Genau, Weihnachten. Genau vor zehn Jahren hätte ich mich fast richtig peinlich gemacht in Deutschland, als ich noch nicht so genau wusste, wie wichtig es war für deutsche Familien. Es ist nämlich in Japan hauptsächlich ein Fest für Pärchen und vielleicht auch für kleine Kinder, die von den Eltern Geschenke kriegen, aber andersrum eher nicht. Die Hausaufgabe war daher zu fragen, was bei den Gastfamilien an Weihnachten gemacht wird.

Die Schüler hat es anscheinend am meisten schockiert, dass während der Weihnachtszeit pro Tag mehr als 3000 kcal konsumiert wird. Viel Spaß. :)

Ich finde es hin und wieder mal interessant, dass die Deutschen immer überall einen Grund zu geben versuchen. Wenn ich also meiner Gastfamilie von damals Geschenke gegeben habe, haben sie sich erstmal gefreut (so wie in vielen Ländern) und ... versucht zu erklären, warum sie sich gefreut haben (was zum Beispiel in Frankreich die Leute nicht unbedingt tun). In dem Zusammenhang hier: nicht überfallen WEIL es sich nicht lohnt :) (aufgenommen in der Innenstadt von Husum).

Btw. das Ladegerät für meine Kamera funktioniert irgendwie nicht und dementsprechend gibt's leider nicht so viele Fotos bis ein Ersatz geliefert wird.

Mittwoch 6. August

Ich fang schon mal an mit meiner Ausrede: ich habe morgen früh eine Sitzung für meine Doktorarbeit per skype. Vorbereitung chaotisch, aber vor allem gedanklich voll gestört.

Jedenfalls hatten wir das Thema "Schule" und beim Frühstück hatten wir die Gastgeschwister eingeladen, bzw. darum gebeten vorbeizukommen, um über ihr Schulleben zu erzählen.

Die Austauschschüler haben übrigens auch sehr viel weniger gesprochen während des Unterrichts, was wahrscheinlich auch an der Anwesenheit der Gäste lag. Eigentlich hätte ich auf die Idee kommen können. Allerdings halte ich es auch für wichtig, dass die Austauschschüler unabhängig von den Nationalitäten der Anwesenden sprechen können. (ja für Japaner ist so was recht schwierig...)

Am Montag hatte ich Sportsachen angeschafft: Tischtennisschläger, einen Basketball und einen Volleyball. Natürlich war das erstmal so gedacht, dass sie auch zwischendurch mal Spaß haben, aber auch so was hilft den Schülern später um mit den Deutschen Kontakt aufzunehmen. Ich meine, letztendlich bin ich Physiker und mache gerne Musik und Sport (und koche auch gerne). Das alles hat mir ja enorm geholfen während meiner Fahrradreise nach Japan, egal welche Kultur.

Nachmittags einfach nur noch programmieren... Sorry Kinder.

Abends Elternabend. Genau wie ich befürchtet hatte, haben sich die Eltern Sorgen gemacht, dass sich die Schüler irgendwo unangenehm fühlten. Von den Schülern höre ich das Gegenteil, also sie machen sich Sorgen, dass sich die Gastfamilien unangenehm fühlen. Mehr Kommunikation wäre ganz gut aber noch ist es wohl etwas schwierig. Jedenfalls müssen die Kinder verstehen, dass sie ruhig "ja" und "nein" sagen dürfen. Mal sehen wie viel Zeit sie brauchen werden... (oder ob sie erst überhaupt so weit kommen können innerhalb von einem Jahr...)

Und ich hab einfach mal spontan einen Grillabend vorgeschlagen und das kam ganz gut an. Nächste Woche Donnerstag Grillabend (und zwar bei Ren). Bringt das mit was ihr so essen wollt!!

Ganz am Ende habe ich doch nach der Gitarre gefragt und da war die Familie von Akane, die mir eine ausleihen konnte. Nice! Da wo ich als Ausrede gesagt habe, dass ich den Schülern deutsche Lieder beibringe, muss ich mir was einfallen lassen, weil ich ja erstmal nicht so viele deutsche Lieder kenne :)

Donnerstag 7. August

Finito!!! Die Sitzung vorbei!

Heute haben wir den Orientierungskurs nach hinten verschoben, wegen meiner Sitzung und auch wegen der Einheit von heute, "Stadtrallye". Die Schüler mussten 3er Gruppen bilden, und zwar da waren zwei Kumpels von mir aus Japan, die aber kein Deutsch konnten und eigentlich auch nicht wirklich Hilfe leisten konnten. Egal.

Die Schüler mussten Aufgaben lösen, die ich vorbereitet hatte, so wie "Geht entlang der Ludwig-Nissen-Straße und biegt an der ersten Kreuzung nach rechts. Auf der linken Seite vor der nächsten Kreuzung steht 'Bio' an einem Geschäft. Was ist das für ein Geschäft und warum steht dort 'Bio'?". (Und die Schüler konnten übrigens nicht raten was "Bio" heißt, obwohl vermutlich für die Einheimischen die Bedeutung total selbstverständlich vorkommen mag.) Oder auch "Kauft eine 'Brezel'.", ohne vorher zu wissen, was eine 'Brezel' ist.

Hierbei mussten sie auch den Einheimischen Fragen stellen, um beispielsweise zu wissen, was 'Tine' ist, weil gleich nebenan ist zum Beispiel ein Café, das Tine-Café heißt und wenn man sie nicht fragt, sieht man nur dieses Café und nicht das eigentliche "Tine".

Das Problem war allerdings, dass eine Gruppe direkt zur Touristeninformation gegangen ist, um einen Stadtplan zu bekommen (war die erste Aufgabe) und ein Mitarbeiterin direkt alle Aufgaben auf Google nachgeguckt hat, wobei die Schüler ihr den Zettel gegeben haben. Na ja, zumindest haben die wohl verstanden wie hilfsbereit die Deutschen sind...

Auch wenn die Deutschen hilfsbereit war, war das Wetter nicht unbedigt so nett. Es hat ein paar mal Platzregen gegeben. Und beim ersten Mal ist eine Gruppe (und dieselbe) genau imselben Café gelandet, wo ich gearbeitet habe. Da wo ich eh einen Kaffee bestellen wollte habe ich den Mädels 5 Euro gegeben und mit dem Wechselgeld durften sie Eis kaufen. Ein paar Minuten später kommt die Gruppe mit den zwei Jungs. Die Mädels:

"Sam hat uns ein Eis ausgegeben!".

Somit musste ich den Jungs auch jeweils eine Currywurst ausgeben...

Ich wollte übrigens nicht, dass es eine Gruppe gibt, die alle Aufgaben zu schnell hinkriegen. Um das zu vermeiden habe ich denen ganz am Ende:

"Was ist braun und läuft durch den Wald?"

aufgegeben. Es stellte sich heraus dass diese Sorge erst nicht unbedingt nötig war, da sie auch teilweise Einkaufen gegangen sind oder sich was zum Essen geholt haben. Aber nicht nur dass sie es nicht hingekriegt haben, sondern auch es gab Gastfamilien die anscheinend die richtige Antwort nicht richtig verstanden haben. So, was ist die richtige Antwort?

Die Schüler hätten um 17 Uhr im Klassenzimmer sein müssen, aber da nur die Jungs es geschafft haben, habe ich gleich 2,50 Euro einkassieren können. Hihi.

Und eigentlich wollte die letzte Gruppe auch finden aber irgendwie habe ich nur diese beiden Gruppen von oben gesehen. Jedenfalls war diese letzte Gruppe die Siegergruppe und nun noch mal Eis. Bei Janny's gab's auch 5 Euro Eis oder 10 Euro. Da wo da drei Mädels waren, hatte ich schon mal 50 Euro in der Hand. Ren hat heimlich auch ein Eis bestellt (habe ich erstmal nicht gemerkt) und ich einen Kaffee. Insgesamt kam aber mehr als 40 Euro zurück. ???

Die Mädels meinten "wir wollten auch nicht eine große Last sein". Aha. 30 Euro hätte ich eigentlich locker ausgeben können aber na ja, es ist ja auch schön dass sie an mich denken :)

Freitag 8. August

Kommunikation. Ich muss wohl nicht sagen wie wichtig sie ist. Gerade ist es natürlich sehr schwierig ohne sie zurecht zu kommen, wenn man mit anderen Leuten arbeiten soll. Also die erste Aufgabe im heutigen Unterricht war es, zu zweit gemeinsam einen Stift zu halten und etwas zu malen, und zwar folgende Objekte: Kreis, Haus, Baum und Hund, wobei sie nicht kommunizieren durften, obwohl sie vermutlich eh nicht so gut hätten kommunizieren können weil die Amis und die Japaner zusammen gearbeitet haben. Der Sinn dieser Einleitung war dass sie erkennen, dass man kommunizieren muss, um gemeinsam etwas zu schaffen. Ich hatte befürchtet dass sie so was sagen wie "warum machen wir erst überhaupt so eine Aufgabe?" so wie am ersten Tag mit dem Aufschreiben von Gedanken.

Sowohl der Sinn der Aufgabe, als auch meine Befürchtung hat sich als falsch erwiesen. Die Realität war, dass die dominante Person das Bild gemalt und die andere nur die Spitze des Stiftes gehalten hat. So haben sie eigentlich ganz gute Bilder gemalt. Der Sinn dieser Aufgabe war denen auch völlig egal, weil das Spaß gemacht hat.

Danach haben wir uns von den Amis verabschiedet und eine Gruppenarbeit gemacht und am Ende mussten die Schüler Sätze sagen mit Emotionen, z.B. "Ich habe heute Abend einen Zahnarzttermin." oder "Am nächsten Donnerstag grillen wir zusammen." Da war auch ein Satz dabei mit "Ich habe ein Mädchen gesehen, das noch mehr ißt als Sarah". Es war recht interessant zu Mittag zu sehen, wie die Austauschschüler Sarah beim Essen beobachtet haben.

Nach dem Essen haben wir wie üblich draußen Basketball, Volleyball bzw. Tischtennis gespielt. Von den Japanern waren alle draußen aber nur ein Schüler aus dem Amikurs. Vor dem Essen waren ziemlich viele da aber angeblich hatten sie eine heftige Diskussion über die Abtreibung. Es ist bei den Japanern häufig etwas einfacher...

So, die erste Woche vorbei. Was den Unterricht angeht hat es einen starken Kontrast gegeben zwischen vor und nach meiner Sitzung mit meinem Chef am Donnerstag morgen. Aber anscheinend haben die Schüler echt viel Spaß gehabt. So geht's wohl weiter dann. :)

Erstes Wochenende

Eigentlich wollte ich noch nach Lübeck fahren aber das Wetter war einfach grauenvoll und vor allem hatte ich viel zu viel zu tun.

Aber gleichzeitig fanden die Hafentage von Husum statt (yahoo!). Im Prinzip ist das ein ganz normales Festival für die Einheimischen. Hoffentlich haben die Schüler auch was mitbekommen. (ist ja viel authentischer als Oktoberfest beispielsweise)

Ich tue hier einfach mal ein paar Fotos von Sarah am Essen um halt meinen Kommentar vom letzten Freitag zu bekräftigen.

Ich glaube ich habe mich ganz gut in die deutsche Kultur integriert, aber das mit dem Essen wird wohl nix. Ich glaube nämlich nicht, dass ich jemals so viel essen könnte wie die Mädels hier... Hoffentlich kommen die Schüler aber trotzdem klar damit :)

... und einen großen Dank an die Gastgeber von Sarah, bei denen ich ganz schön dreist zwei drei Liter Bier getrunken habe... (ich habe aber irgendwie ganz normal mit dem Fahrrad nach Hause fahren können). Am Montag erzähle ich den Schülern wie man mit Alkohol umgeht. Ein Gegenbeispiel habe ich nun schon mal :)

Das Highlight der Hafentage war (angeblich) das Tauziehen. Die Regel ist allerdings in Husum etwas gnadenlos: Sie stellen sich auf jeder Seite des Kanals, und ziehen sich gegenseitig. Die Verlierer springen (zwangsläufig) ins Wasser. In der Praxis springen aber doch alle ins Wasser.

Der Neffe von Sarah (meine Gastgeberin. Leider gibt's gerade mehrere Sarah hier) hat es auch mitgemacht. Aber normalerweise gewinnen entweder die Bundeswehr oder die Schäfer. Irgendwo ist's logisch...

Und wie man bei dem Mann in Schwarz ganz gut erkennen kann, nehmen sie die Sache schon recht ernst. Es ist jedenfalls beeindruckend wenn die kräftigen deutschen Männer schreien.

Und das Team von Sarah's Neffe, Philip, musste auch ins Wasser (s. Photo).

Montag 11. August

Das ist das Hauptthema des ganzen OSKs: Eisbergmodell. Es gibt Sachen in fremden Kulturen, die man von außen sehen kann, wie zum Beispiel Essen oder Autos. Allerdings gibt es in einer Kultur so viel mehr von dem was man gar nicht sehen kann. Zum Beispiel Tradition, oder generell Wertschätzung. Dieses Bild hätte ich angeblich ganz am Anfang malen sollen aber irgendwie hatte ich es komplett vergessen.

Die Farben haben wir zufolge Geschlechtern bestimmt. Wussten Sie dass solche Terme in Deutsch häufig weiblich sind? (wusste ich sogar und hatte die Schüler vorgewarnt)

Heute hatten wir das Thema Kultur. Zum Einstieg hatten wir also dieses Bild und danach ein Youtube-Video, in dem es darum geht, wie man von außen eine Kultur falsch interpretieren kann.

Es könnte in diesem Zusammenhang für Japaner etwas schwierig sein zu verstehen, wie die Deutschen (und Europäer) mit Witzen umgehen. Zum Beispiel erzählt man in Frankreich gerne Witze wie "wie sagt man 'Unterhose' auf Japanisch? - Sakakaka (=sac à caca)". Die Japaner fühlen sich glaube ich beleidigt wenn sie so was hören, obwohl das sich in den letzten Jahren auch viel geändert hat, was man zum Beispiel durch Hetalia sehen kann.

Im Nachhinein wüsste ich nicht so genau wie diese Aufgabe reingekommen ist aber ich hab die Schüler sich darüber unterhalten lassen, was sie am Wochenende gemacht haben, wobei ich immer jeder Person eine Bedingung gegeben habe, so etwas wie "leise sprechen" oder "immer zustimmen" etc. Ich konnte auch nebenbei erfahren was sie so gemacht haben. Schön dass sich die Gastfamilien so viel Mühe gegeben haben damit die Schüler schöne Erinnerungen bekommen :)

Ich hatte allen Gastfamilien beim Elternabend versprochen, den Kindern deutsche Lieder beizubringen. Um halt das Versprechen einzuhalten habe ich mir zwei Lieder ausgesucht, aber ich glaube ich sollte die Namen noch geheim halten. Vielleicht wollen sie es ja irgendwann vorspielen. :)

Dienstag, 12. August

Rei hat heute gefehlt (so wie gestern). Angeblich hatte sie Bauchschmerzen. So, wo kommt das her? (Und ich hatte auch häufig Bauchschmerzen ganz am Anfang als ich in Deutschland angekommen war. Bei mir lag's anscheinend am Käse, an den ich mich aber auch ganz schnell gewöhnt habe.)

Thema des Tages: Freunde. Ich habe damit angefangen, Synonyme von "Freund" aufzuschreiben, weil dieses Wort für Japaner recht schwierig ist zu benutzen. Am einfachsten wäre es ja zu sagen "mein Freund", was natürlich kein neutraler Ausdruck ist. Und wenn man "ein Freund von mir" sagt, muss man zweimal deklinieren, nämlich bei "ein" und "mir".

Außerdem finde ich, dass die meistens Jungs kaum "Freund" sagen, sondern "Kumpel", "Kommilitone" oder "Kollege". Das müssen die Kinder ja eben verstehen.

Danach schrieben wir auf, wann wir Freunde brauchen, um ihnen Ideen zu geben, was der Anlass sein kann um andere Leute anzusprechen (s. Tafel). Ich habe sie natürlich auch gefragt, was sie mit ihren Klassenkameraden machen können wenn sie bei ihren Jahresfamilien sind. Shoppen, ins Café gehen, zusammen Hausaufgaben machen. Hm. Es ist echt schön dass sie viele Ideen haben, aber ich weiß nicht genau ob es ihnen klar ist, dass sprachliche Probleme teilweise echt schwer kompliziert sein können. (Allerdings hatte ich ähnliche Vorstellungen als ich zum ersten Mal in Deutschland war. Egal, wie kompliziert das sein kann, gebt nicht auf!! Es wird sicher besser)

Ein großes Problem, das die Schüler haben werden ist sicherlich die Frage, was sie nach der Schule machen, weil es in Japan üblich ist, nach dem Unterricht weiter in der Schule zu bleiben um andere Aktivitäten zu treiben, zum Beispiel Sport, Musik, Kunst, Brettspiele etc. Ich war im Schwimmverein und im Prinzip war ich jeden Tag da (auch am Wochenende). Und man braucht sich gar nicht zu fragen, wie man die Zeit nach der Schule verbringt. In Deutschland war es ja früher so, dass alle Kinder nach dem Mittagessen im Stadtzentrum war um sich mit den Freunden treffen. Es gibt ja keine große Stadt wie Tokyo in Deutschland. D.h. sie konnten sich irgendwie auf dem Marktplatz in der Innenstadt treffen und was machen oder so. Das hat sich mit der Zeit stark geändert und als ich als Schüler in Deutschland war, war es schon üblich, unmittelbar nach der Schule an den Rechner zu gehen um Computerspiele zu spielen.

Hier auf dem Foto sind Freizeitaktivitäten, die die Schüler zufolge dem Ranking in der richtigen Reihenfolge ordnen mussten. Da kamen sie nicht wirklich auf die Idee, dass "im Internet surfen" auf Platz eins war...

Ich hatte die Gastgeschwister (indirekt) gebeten, Fragen zu beantworten zu diesem Thema. Zum Glück haben die Gastschwestern von Ren eine wichtige Frage beantwortet: "wie viel Geld brauchst du für deine Freizeitbeschäftigungen?" Und danach habe ich auch die Schüler gefragt, wie es bei ihnen für das Austauschjahr geregelt ist. Anscheinend hat niemand eine finanzielle Grenze, d.h. sie kriegen so viel wie sie brauchen. Bei mir vor 10 Jahren war es so, dass meine Mutter vor meinem Aufenthalt die Grenze auf 100 Euro im Monat gesetzt und danach gesagt hat, dass sie mir mehr Geld überweisen könnte wenn ich bräuchte. Aus falschem Stolz habe ich es aber nicht gewollt und vor allem auch aus dem Grund, dass 100 Euro für mich damals so viel Geld war. Im Nachhinein, da wo ich nun mittlerweile vor allem für meine Vorlesungen und Kurse, die ich in der Uni halte, 45 Euro pro Stunde bekomme, war meine damalige Entscheidung unglaublich lächerlich. Und aus diesem Grund möchte ich gerne, dass meine Schüler nicht denselben Fehler machen und für ihre Entwicklung nicht zögern in sich zu investieren.

Ich hab hier den Unterricht thematisch etwas unterbrochen, weil ich sie vor dem übermäßigen Alkoholkonsum mit einem Youtube-Video vorwarnen wollte. Denen wurde angeblich in Japan (von YFU-Japan) gesagt, dass sie keinen Alkohol trinken dürften. Ich finde manchmal YFU-Japan gibt wirklich seltsame Instruktionen, die das Austauschjahr verbiegen. Ich habe einfach der Anleitung von YFU-Deutschland gefolgt, d.h. mit Vernunft Alkohol konsumieren. Es kam mir aber jedenfalls nicht so vor, dass sie freiwillig Alkohol trinken wollen würden. Ich dachte, Jugendliche freuen sich immer wenn sie so groß werden dass sie legal Alkohol trinken dürfen. Oder haben sie sich heimlich gefreut?

So, um die Diskussion zum Thema "wie findet man am Anfang (wenn man noch nicht so gut Deutsch kann) Freunde?" zu vertiefen, haben wir noch von der Liste Sachen aufgeschrieben, die man ohne Deutsch tun kann: Sport, Musik... sonst noch? Das Ding ist, Japaner kommen einfach nicht auf die Idee, weil es so was in Japan nicht wirklich gibt: Gesellschaftsspiele. Ich habe ein Spiel (6 nimmt) mitgebracht und wir haben's ausprobiert. Ich hätte aber nicht gedacht dass sie so krass darauf abgehen würden... (Es hat draußen auch ganz doll geregnet)

Ich habe bisher nichts geschrieben, aber wir haben generell das Problem, dass das Essen nicht komplett weggeht. Falls mal Gastgeschwister vorbeikommen wollen, sind sie herzlich willkommen. Wir spielen auch Lieder, Basketball, Volleyball oder auch Tischtennis.

Auch mal ein Foto vom Unterricht von Julia (Sprachunterricht). Sie spricht hauptsächlich Deutsch und ab und zu Japanisch (obwohl sie eigentlich verdammt gut Japanisch kann). Ich finde es gut weil das irgendwo doch die Realität zeigt die wir ihnen weitergeben wollen :)

An der Tafel steht "Ja/Nein-Fragen" und "Liebst mich" - "Nein, ich liebe dich nicht"... Es ist irgendwie auch so schön deutsch dass man solche Sätze als Beispiel ganz sachlich an die Tafel schreibt :)

Mittwoch, 13. August

Ich hatte heute erst nachmittags meinen Unterricht und bin erst kurz vor Mittag angekommen. Julia war daran.

Erster Eindruck: still. Hm. Aber da ich wieder mal an meiner Doktorarbeit arbeiten musste, konnte ich nicht wirklich darauf schauen.

Im Nebenraum war Sarah, die gerade dabei war, Texte zu korrigieren und freute sich über jeden lustigen Satz.

Die Beziehung zwischen den Amis und den Japanern hat sich nicht sonderlich geändert. Das Ding ist einfach, dass für sie dieser OSK wahrscheinlich eine spezielle Priode ist, in der sie sich nicht unbedingt für etwas Bestimmtes anstrengen, sondern einfach die Zeit vergehen lassen, weil es für sie am wichtigsten ist, dass sie sich hier erstmal richtig einleben. Hoffentlich denken sie noch daran, dass sie die Abschiedsfeier zusammen organisieren.

Man muss ja aber auch nicht immer durch Kommunikation mit den Anderen Kontakt aufnehmen. Hier, zum Beispiel, haben wir wieder mal zusammen gesungen, diesmal mit allen gleichzeitig. Ich wusste dass Japaner gerne singen, aber die Amis haben auch so gut mitgesungen. Und das waren gerade die Amis die mehr singen wollten.

Heute kam das Thema "Anpassung". Da das Mittagessen erst recht spät angekommen ist und wir gesungen haben, hatten wir nicht mehr so viel Zeit. Außerdem hätte es sich sowieso stark mit vielen anderen Themen überschnitten. Daher habe ich mit den Schülern diskutiert, wie man in Deutschland eine Präsentation hält.

Ich habe einfach ein Thema aus dem Stegreif genommen: "Manga" und versucht daraus Ideen zu entwickeln. Erstes Problem: die Schüler wollten zuerst das Fazit ziehen. Für sie war eine Präsentation anscheinend so, dass man mit der Einleitung anfängt, das Thema mit Pro und Kontra entwickelt und schließlich ein Fazit zieht. Ich musste also ihnen erklären, dass es sich um reine Informationsweitergabe handelt, wenn man eine Präsentation über Manga hält.

So, Neustart. Was kann man erzählen? "Verschiedene Sorten von Manga!". Hm, ja das ist richtig, aber ich glaube ein großes Problem von Japanern damit ist, dass sie was Großartiges sagen wollen und nicht das, was das Wesentliche angeht.

In diesem Sinne vertun sich viele Leute. Wenn ich meine Doktorarbeit als Beispiel nehme, nämlich theoretische Physik, stellen sich viele Leute sie zu kompliziert vor, vor allem wenn sie meinen Simulationscode sehen. Schön, es sieht kompliziert aus, aber wisst ihr, dass es lediglich aus verschiedenen Kombinationen von Addition und Multiplikation besteht? Und dass das für alle Computersimulationen gilt? Wir, Physiker, machen so einfache Sachen, um zum Beispiel Flüssigkeiten wieder herzustellen im Bildschirm, oder bei mir die Alterung des Stahls zu sehen.

So, noch mal. Gleich kamen die ersten Wörter die Manga gut beschrieben. Ich schreibe Stichwörter hin. Viele andere Ideen, total unzusammenhängend, aber nicht schlimm. Wenn man Bauteile hat, kann man sie hinterher zusammensetzen.

Ein paar Minuten später. Die Tafel war noch halb leer. "Mehr gibt's nicht". Dooooch. Und dann kam eine Aussage, die ich auch ab und zu in der Uni höre: "Du hast ein ganz schwieriges Thema ausgesucht."

In der Fakultät für Physik der Universität Göttingen sind in meinem Jahrgang angeblich mehr als 90% der Studenten rausgeflogen oder haben mehr als Regelstudienzeit gebraucht. In meiner Umgebung waren auch ganz viele Leute. Ein großer gemeinsamer Punkt: Begründen, dass es normal ist, dass sie die Aufgaben nicht hinkriegen können.

Als ich noch klein war, haben mir meine Eltern immer gesagt "du hast ja wirklich immer nur die besten Lehrer!". Die Qualität der Lehrer in Japan ist sehr gut, aber im Nachhinein denke ich, dass nicht unbedingt alle so gut waren, aber in meinen unreifen Augen waren sie immer perfekt und habe nie gezweifelt. Ich finde es hin und wieder mal schade, dass manche Eltern Lehrer kritisieren, weil die Kinder es ja danach nicht mehr so ernst nehmen, und dadurch eine wichtige Möglichkeit verlieren, was aber natürlich heutzutage überall auf der ganzen Welt zu sehen ist.

Jedenfalls habe ich alles so akzeptiert, auch wenn ich ein schrecklicher Schüler war der ab und zu im Schulknast saß. Das alles hat mich so abgehärtet dass ich, wenn ich nun in der Uni an der Tafel vor den ganzen Studenten stehe, mit einer Kreide in der Hand und nix Anderes stehe. Ich mache nicht einmal eine Notiz dafür. Im Prinzip ist es eine Tafelpräsentation von 90 Minuten die ich jede Woche halte und ab und zu erinnere ich mich, wie schwer es mir früher fiel. Jedenfalls habe ich damals alles getan. Hat sich unglaublich gelohnt, aber echt unglaublich...

Natürlich hätte ich mir das alles damals nicht vorstellen können und es ist ja irgendwo normal, dass die Schüler darauf so reagieren. Hoffentlich machen sie das trotzdem so mit. Nach jeder Hürde wird es immer besser, nur es ist schwer zu erkennen.

So, Stichwörter aufgeschrieben, die Reihenfolge bestimmt. Einer muss vortragen. Ich höre "woa, ich bin in so was echt schlecht." Ja, ich weiß. :) Rei verliert Stein Schere Papier, geht auf Toilette und kommt nicht zurück... Vorher habe ich noch mal versichert, dass der Vortrag ein ziemliches Ablesen der Stichwörter ist, d.h. man muss sie einfach nur durch Sätze verbinden. Na ja, vielleicht ging es ihr noch nicht so gut da wo sie bis gestern Bauchschmerzen hatte...

Sie hat es aber zugegebenermaßen ganz gut vorgetragen. Jedenfalls haben sie gesehen, wie man eine Präsentation hält (und es gibt eh nicht "richtig" oder "falsch". Man hält sie, Punkt!).

Ich habe noch ein anderes Thema "Tokio" ausgesucht aber dafür hatten wir nicht genug Zeit. Jedenfalls machen wir übermorgen die Einheit "Geschichte" und jeder muss einen Vortrag von 5 Minuten halten, über folgende Themen: Novemberrevolution, Friedensvertrag von Versailles, U-Boot, Unbeschränkter U-Boot-Krieg, Entartete Kunst, Enigma, Lebensraum im Osten. Jeweils gibt es einen Wikipedia-Artikel (Ich weiß, dass das wissenschaftlich nicht akzeptabel ist, aber es geht darum, dass sie irgendwas vortragen) auf Japanisch. (Ich habe übrigens absichtlich etwas unbekannte Terme genommen, die aber teilweise mit dem Ausflug verbunden sind.)

Im Nebenraum waren zwei Leichen.

Da habe ich erst erfahren, dass die beiden Sprachlehrerinnen, Julia und Sarah, es so schwer fanden, die Schüler zu motivieren. Sarah hat anscheinend das gleiche Problem momentan und versucht, die interkulturelle Pädagogik anzuwenden. Woaaa

Jedenfalls ist es mir nicht sonderlich aufgefallen in meinem Unterricht, aber na ja, innerhalb von gut einer Woche lernen sie ja schon so viel. Es tut mir bloß etwas leid weil ich weiß wie viel Zeit Sarah und Julia nehmen für die Schüler um den Unterricht vorzubereiten (im Gegensatz zu mir).

Donnerstag, 14. August

Zu meinem Unterricht habe ich nichts zu sagen. Einfach nur erklärt, wie YFU funktioniert und was sie alles dieses Jahr haben werden. Ayano fragte mich, ob das Mittelseminar obligatorisch sei. Nein, ähnlich wie das Austauschjahr an sich. Aber sie werden es brauchen.

Man sieht deutlich, dass die Motivation der Schüler fatal nachgibt. Julia ändert hin und wieder mal flexibel ihre Unterrichtsplanung. Ich, auf der anderen Seite, ziehe es durch, zum einen weil es bei mir mehr Diskussion gibt und die Schüler mitdenken müssen, zum anderen auch weil sich Julia verantwortlich fühlt. So eine typische gute deutsche Lehrerin.

Als ich im OSK war, sind wir zu einem Vergnügungspark gefahren, was der Orientierungslehrer von damals vorgeschlagen hat. Diesmal, als Orientierungslehrer, hatte ich beim Elternabend vorgeschlagen zu grillen.

Es war auf jeden Fall schön schon im Unterricht zu sehen, wie sehr sich die Schüler darauf gefreut haben (Letztendlich sind wir dafür da). Eigentlich wollten wir noch schwimmen gehen aber es war einfach zu kalt. (Die Schüler sind dafür direkt dahin gefahren)

Und wenn ich sage, "ich habe es organisiert" ist es so was von falsch, da sich Familie Kiehne (die Gastfamilie von Ren) hundertprozentig dafür geopfert und gleich fast 30 Leute aufgenommen hat. Einen großen Dank noch mal dafür :) (Und sie hatten die anderen Familien auch kontaktiert wegen der Adresse und der Teilnehmeranzahl etc. So viel Aufwand und so wenig Mitwirkung von mir...)

Wie üblich bin ich einfach mal so 45 Minuten zu spät angekommen, weil für mich 18 Uhr viel zu früh war und ich dachte so, da käme niemand vor 18:30. Ich war der Letzte.

In Japan ist es übrigens üblich, dass man direkt am Grill ißt. Es ist zwar nicht sonderlich schwierig den deutschen Grill anzunehmen aber es war denke ich auch ein gutes Erlebnis für sie (und man grillt ja so gerne in Deutschland). Für diejenigen die sich für den traditionnellen japanischen Grill interessieren, hier die Referenz. Man bekommt normalerweise so ein Zeug zu dritt oder viert, und man isst direkt davor. Praktisch nich?

Und nebenbei war es bestimmt schön für sie zu sehen wie groß ein typisch deutsches Haus sein kann. Ich persönlich komme aus Tokyo und wir hatten ziemlich gar keinen Garten, was in Japan relativ normal ist.

An den drei Reihen von Tischen haben sie die Kinder (mit ihren Gastgeschwistern) und ihre Gastfamilien getrennt. Dies führte dazu, dass sich die Gastfamilien austauschen konnten. Anscheinend was es generell so, dass ihre Erlebnisse mit den Austauschschülern recht ähnlich waren.

Ich persönlich hatte ein Gespräch mit der Gastmutter von Hiroki, was er so zuhause macht usw., weil er nämlich während meines Unterrichts nicht viel redet, obwohl er eigentlich schon recht viel kann. Er redet anscheinend auch nicht viel zuhause, aber er hat zumindest versucht, ihnen den japanischen Schach beizubrigen. Leider ist das Spiel recht kompliziert und hat es nicht geschafft, aber irgendwie erinnert es mich an mich von vor 10 Jahren.

Sarah wollte viel essen.

Während Sarah noch weitergegessen hat, war es den Kindern irgendwann langweilig. Die sind alle nach draußen gegangen und haben angefangen zu spielen. Ich war auch da um Fotos zu machen (ich bin der Japaner!) und musste auch mitspielen. Ich bin viel zu alt für so was...

Da mussten sie einfach viel rennen rennen und rennen. Ich mochte auch gerne zu rennen aber da wo ich etwa 2 Wochen einfach nur Fahrrad gefahren bin und jetzt jeden Tag schwimme, sah ich bestimmt nicht mehr so geschickt aus. Hiroki hat mich erwischt. Er wird morgen sehen, was er nicht hätte tun sollen :)

Danach sind wir alle zum Meer gegangen. 1 und 2 und 3 und ... 10 ein Hut ein Stock ein Regenschirm... Hoffentlich werden die Schüler nicht vergessen was sie auf dem Weg gelernt haben.

Das Wattenmeer war auch schön in der Abenddämmerung. Wir sind einfach auf den Steg gegangen und haben ein bisschen gequatscht, bis irgendeine Gastmutter angerufen hat. Ich hatte selber so viel Spaß damit, aber hoffentlich bleibt es in Erinnerung bei den Schülern :) (und hoffentlich auch bei den Gastgeschwistern). Und vor allem dass es eine gute Erfrischung war für die Schüler.

Freitag, 15. August

Morgens hatte ich ein Gespräch mit meinem Chef. Er hat gemeckert. Na und?

Zu Mittag sind wir Döner essen gegangen. Die Schüler hatten schon (vor heute) Döner und mir schmeckt das Ding nicht, aber es war trotzdem schön mal in der Stadt zu sein. Es war bestimmt auch einfacher für Julia, durch Einkaufen den Schülern Zahlen beizubringen (und somit mussten sie auch andere Sachen kaufen. Ich hab von Miyu eine Tüte Haribo bekommen :)

Heute hatten wir "Geschichte". Ich glaube für die Japaner heißt Geschichte einfach langweiliges Auswendiglernen von Jahreszahlen und Namen. Und wenn ich mich richtig erinnere, haben wir jedes (Schul-)jahr 2000 Jahre Geschichte gelernt. In Deutschland werden sie sehen, wie klein der Zeitraum ist, der innerhalb eines Schuljahres behandelt wird.

Am Anfang des Unterrichts hatten wir einige Referate, die ich denen gestern aufgegeben hatte. Die Themen waren hauptsächlich mit dem Ausflug von morgen verbunden. Miyu war die erste und hat zum Thema "Entartete Kunst" gesprochen. Mein Eindruck: perfekt... Sie hat nicht nur die wichtigsten Informationen weitergegeben, sondern auch darauf geachtet, dass es sich um eine "mündliche Präsentation" gehandelt hat, und sie hat somit auf fachliche Terme verzichtet, in diesem Fall zum Beispiel die Namen der Künstler. Es ist sogar für Studenten nicht sehr einfach, so was zu vermeiden. Sonst waren Hiroki und Noriko daran. Bei Hiroki war es etwas kurz aber bei Noriko konnte man sehen, dass sie das Thema sehr gut verstanden hatte. Insgesamt würde ich aber behaupten, dass sie sich auf diese Weise sehr gut im deutschen Schulsystem durchsetzen können.

Damit aber die Schüler wissen, wie wichtig die Geschichte ist für die Deutschen, habe ich den Schülern einfach mal einen Zettel gegeben, um den Einheimischen Fragen zu stellen (das waren immer historische Bilder die sie teilweise gar nicht kannten und sie mussten herausfinden, was sie bedeuten). Es hatte natürlich auch den Vorteil, dass ich in einem Café einfach so rumsitzen konnte und dass es den Schülern mehr Spaß macht :)

Die Aufgaben waren teilweise recht schwierig. Zum Beispiel weiß man ja häufig nicht einmal, dass es eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft gegeben hat, oder was das Wappen der DDR heißt, aber für jede Aufgabe gab es sozusagen eine Bedeutung, die ich da noch besprechen wollte.

Die hier auf dem Foto haben ziemlich viele Fragen beantwortet, was aus Noriko und Ayano eine Siegergruppe machte. (Und dafür ein Eis)

Obwohl sie anscheinend den Eintrag von neulich gelesen, sagten sie dass sie immer noch keine Last sein wollten und wollten nur 3 Kugeln bestellen. Als ich aber den Anderen auch Eis angeboten habe, wollten sie doch so ein Monstereis bestellen. Ich hab keine Ahnung wie sie funktionieren...

Ausflug

Noch vor dem Anfang des OSKs hatten wir die Diskussion darüber, wo wir im Ausflug hinfahren sollten. Julia und ich haben uns einstimmig auf Kiel geeinigt, weil in der Nähe von Husum keine große Stadt existiert, die auch historisch große Bedeutung hat, außer Hamburg und Kiel. Hamburg ist aber dermaßen groß, dass die Austauschschüler vermutlich sowieso in ihrem Austauschjahr da sein würden.

8 Uhr 15 (abgemachte Uhrzeit des Treffens). Ich war gerade so angekommen. Lustigerweise war vielleicht eine Hälfte der Schüler da. Sie müssen sich wohl noch an das Leben in Deutschland gewöhnen :) (obwohl in diesem Alter sind die Deutschen auch noch nicht so pünktlich, schätze ich)

Mit dem Zug nach Kiel. Zum Glück hatten alle Schüler und alle Gastgeschwister das Schleswig Holstein Ticket. Ich finde es gut dass die Schüler lernen, dass man in Deutschland häufig mit der Bahn unterwegs ist. (Und vor allem dass sie häufig unterwegs sind und nicht die ganze Zeit in ihren Heimatstädten bleiben...)

Das erste Objekt war die Nikolaikirche. Die Kirche an sich war nicht ganz so interessant, aber gleichzeitig war der sogenannte "Geistkämpfer", eine Statue, die von den Nazis als "entartete Kunst" bezeichnet wurde, was gestern von Miyu präsentiert wurde. Nikolaikirche an sich hat mich übrigens in dem Sinne überrascht, dass die innere Seite so modern aussah. Sind die Kirchen im Norden immer so?

Gleich darauf mit dem Schiff nach Laboe. Eigentlich fanden sie die Idee ganz cool mit dem Schiff zu fahren, aber in der Realität irgendwie doch weniger. Na ja egal, wir mussten eh entweder mit dem Schiff oder mit dem Bus fahren.

Da niemand Karten zum spielen mitgebracht hatte, habe ich bei Rossmann einfach mal Karten gekauft, wobei ich die Verkäuferin gefragt hatte, ob das was ich hatte normale Karten waren. Erst als wir es aufgemacht haben, hat sich rausgestellt, dass das für Doppelkopf war... Da die Gastgeschwister die mitgekommen waren Doppelkopf kannten, habe ich mich zu ihnen gesetzt. Aber Doppelkopf kann man angeblich nur zu viert spielen und die Regeln sind recht kompliziert (ich hab's einmal gespielt aber ich konnte sie mir nicht merken...). Daher mussten wir mit den Karten für Doppelkopf andere Spiele improvisieren. Hier auf dem Foto haben wir schwarzen Peter gespielt. doof...

Doof war es noch mal, dass ich nicht so viel Bargeld hatte. In Deutschland kann man so schlecht per Kreditkarte zahlen aber ich hatte es völlig vergessen (weil bei Edeka, wo ich normalerweise einkaufe, kann man per Kreditkarte zahlen) und musste ganz schnell Geld abheben gehen. Ich frage mich hin und wieder mal, ob es nicht ein gutes Thema für die Doktorarbeit wäre, ob es sich lohnt, nur die Kreditkarte zu benutzen, wobei man alle Faktoren in Erwägung zieht, beispielsweise die Energie die man braucht um Münzen zu tragen, die Kosten der Herstellung für Münzen, Psychologische Faktoren wie Überzahlung oder Sicherheit.

So, in Laboe ist nicht nur ein schöner Strand da, sondern auch ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg (U995). Das wurde gestern von Noriko vorgetragen.

Das war sicherlich ein gutes Erlebnis für die Schüler im U-Boot zu sein, aber für mich war es auch. Da wo die Japaner das kollektive Verteidigungssystem vor ein paar Monaten genehmigt haben, ist es natürlich etwas realistischer, dass so was noch auf uns zukommt.

Die winzigen Toiletten und Betten, eine kleine Küche... Können die japanischen Jugendlichen von heute solche Umstände aushalten?

Laboe hatte einen schönen Strand (untypischerweise für Deutschland). In diesem Moment hatten wir auch ein bisschen Sonne. Nice. Wir haben einfach die Tatsache ignoriert, dass es eigentlich nicht kostenlos war für die die über 18 waren, und insgesamt haben wir das Schiff verpasst -.-

Egal, wir konnten jedenfalls mit dem Bus, der 15 Minuten später abfuhr, in die Innenstadt zurückfahren. Im Bus habe ich den Schülern erklärt, was die Bilder der Aufgabe von gestern bedeutet haben. Sie kannten sich überhaupt nicht damit aus aber hoffentlich wurde etwas klar für sie.

Vor dem Hiroshima Park war ein kleiner Asialaden. Husum ist leider deermaßen klein, dass es erst gar keinen Asialaden gibt (nur man sieht in manchen Supermärkten eine kleine Asiaabteilung, die aber leider nicht groß genug ist, um japanische Produkte zu verkaufen). Und die Schüler wollten da einkaufen. Ich glaube das war tatsächlich das Highlight des Tages für sie...

Julia vor der Bismarck-Statue. Für mich ist es ein Widerspruch in sich, dass Bismarck in Kiel ist...

"Habt ihr Hunger?" --- "Nein". Das ist echt ein großes Problem bei den Japanern. Obwohl in ihrer Sprache das Wort "Nein" nicht existiert, sagen sie in diesem Fall nein, und eigentlich haben sie Hunger. Gut, sie müssen wissen, dass das in Deutschland nicht funktioniert. Wir gehen halt weiter.

Ein kleines Aquarium von Kiel. Ren konnte sich mit einem Dorsch unterhalten, ohne Worte. Vielleicht war es einfacher für ihn mit einem Dorsch zu reden als mit einem Deutschen. Man muss ja zumindest nicht ja oder nein sagen...

Auch wenn es einen richtig coolen Seesterm gibt, gibt es in Kiel nicht so viel zu sehen. Da uns ca. eine halbe Stunde übrig blieb, ließen wir die Schüler in der Stadt bummeln (oder halt shoppen gehen). Da alle Japaner aus großen Städten kamen, fanden sie es anscheinend wiederum gut, in Kiel einkaufen gehen zu können. Jedenfalls wollte ich nicht mehr dass wir noch den Zug verpassen und habe nicht versuchen wollen noch was zu sehen...

Auf dem Rückweg ist mir aufgefallen, dass Schleswig auf dem Weg war und historisch gesehen wäre es vielleicht sogar noch interessanter gewesen. Schade, dass ich nicht vorher auf die Idee gekommen bin :(

P.S. am folgenden Tag bin ich mit Sarah (meiner Gastgeberin) nach Schleswig gefahren und habe gesehen, dass das Schloss, was der Schwerpunkt gewesen wäre für diese Stadt, ganz schon schwer war und ohne Vorkenntnisse kaum zu verstehen war. Wahrscheinlich war es gut so dass wir nur in Kiel gewesen sind :)

Montag, 18. August

Es ist ganz schön widerlich kalt draußen. Zuhause mussten wir das Kaminfeuer anmachen. So zwischen 10 und 15 Grad. Wie wollen die Schüler so was überleben?

Außerdem hat's einfach nur ganz stark geregnet. Fies... Aber alle Schüler waren vor mir da (ausnahmsweise heute 8 Uhr der Unterricht von mir. Morgen wieder 10 Uhr). Mecker Mecker, weil ich echt ziemlich genau um 8 angekommen bin. :)

Wir haben mit den Präsentationen angefangen. Jo, es ging. Teilweise etwas zu viel abgelesen, aber das werden sie ja sehen.

Das eigentliche Thema von heute war "Freizeit und Internet". Und Hauptsächlich ging es darum, wie man mit der Freizeit umgeht. Zuerst haben wir einen Zeitkuchen gemalt, um zu sehen, wie wir in Japan mit der Freizeit umgeht. Da stellte sich heraus, dass sie ganz schön viel Zeit einsetzen für die Nachhilfeschule, eine Besonderheit von Japan. Ich kenne sie persönlich gar nicht aber anscheinend gehen ziemlich viele Schüler dahin. Ich weiß auch gar nicht ob sich so was lohnt.

In Japan haben die Schüler generell kein Problem damit, eine Beschäftigung zu finden, weil sie normalerweise auch nach der Schule in der Schule um in den Vereinen was zu machen. Ich zum Beispiel konnte schwimmen in der Schule und das war wirklich 7 Tage die Woche. Sonst kann man Basketball, Fußball, Tischtennis, Schach oder Musikinstrumente spielen, malen,

Weiter mit der Diskussion über "wie geht man mit Heimweh um?".

Ich habe ganz viele Ideen bekommen können, so was wie "sich auf etwas Anderes konzentrieren", oder "mit der Gastfamilie sprechen". Letzteres ist glaube ich nicht sehr einfach, obwohl wahrscheinlich die Gastfamilie sich das wünscht. Irgendwo denke ich, dass ich in diesem Sinne was besser machen können während meines Aufenthalts.

Da kam eine Anekdote von mir. In meiner Fahrradreise war ich mehrere Wochen in der Gobi-Wüste. Das hat mich einfach dermaßen zerstört. Da habe ich gesehen, dass religiöse Menschen so viel stärker waren als ich. Es ist wahrscheinlich normal, dass man stark werden kann, indem man denkt, dass sich jemand Anderes das wünscht, der Gott zum Beispiel. Ich habe keine Religion und somit bin ich immer derjenige, der das will, was ich mache, und niemand anders.

Was mache ich? Zumindest kann ich aber die Bibel durch normale Romane ersetzen, auch wenn sie mir nichts beibringen. Zumindest kann ich einfach in die virtuelle Welt tauchen und von der Realität wegkommen. Ursprüngliche Probleme sind häufig dermaßen kompliziert, dass man eh keine Lösung findet. Einfach die Zeit vergehen lassen und irgendwann geht's aufwärts :)

In meinem ersten Aufenthalt in Deutschland habe ich "Unterm Rad" von Hermann Hesse gelesen. War keine bestimmte Aufgabe von jemandem, aber ich habe es lesen wollen. In dieser Tragödie geht das Leben von Hans einfach den Bach runter. Ich muss sagen, dass es mir den Vorteil gegeben hat, zu sehen, dass mein Leben im Vergleich zu dem von Hans keinerlei schlecht war.

Ich hatte persönlich noch nie Heimweh aber das liegt hauptsächlich daran, dass mein erstes Auslanderlebnis in diesem Sinne recht gut gelaufen ist und ich danach gut abgehärtet war :)

Im Sprachunterricht haben Julia und Sarah ä, ü und ö an die Wand geschrieben und die Schüler in zwei Mannschaften geteilt. Julia las jedes Mal ein Wort vor und wenn das Wort einen Umlaut enthielt, mussten sie schnell an die Wand rennen und zeigen welcher Umlaut es war. Sonst stand auch "kein Umlaut".

Sowohl Amerikaner als auch Japaner haben diesen Laut nicht (was natürlich das Spiel spannend macht), aber dadurch, dass die Amerikaner einen besseren Wortschatz hatten, war es für sie etwas einfacher. Der einzige Fall, der wirklich schwierig war, war vermutlich "Mütter". Noch schwieriger wäre, denke ich, "Ehre" und "Ähre" gewesen, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob die Deutschen diese Wörter wirklich immer unterschiedlich aussprechen...

Das schwierigste für die Japaner sind aber nicht die Umlaute, sondern das deutsche "U", das in allen europäischen Sprachen gleich ist. Das japanische "U" existiert, soweit ich weiß, sonst in keiner Sprache, und klingt für die Deutschen wahrscheinlich wie "Ö". Deswegen versteht man's nicht so gut, wenn sie "Husum" sagen (eigentlich traurig ist das :).

Nach dem Unterricht haben sie aber angefangen die Organisierung der Abschlussfeier voran zu treiben. Anscheinend diskutieren die Amerikaner und die Japaner erstmal unabhängig voneinander, was auch normal ist weil sie sich kaum unterhalten können.

Dienstag, 19. August

Praktische Hinweise. Was soll ich denen erzählen? Es gibt doch eine wichtige Sache für Ausländer in Deutschland ... Verkehrsregeln!! Es ist in Deutschland auf keinen Fall lustig z.B. über Rot zu fahren. Aber wenn man so was nicht weiß, tut man das halt. Gut, das kann man in einem Satz sagen, aber was ist mit Fußgängerzonen, Fahrradwegen oder Einfahrt verboten? Ich habe einfach ganz viele Karteikarten gemacht, auf denen die Namen auf Deutsch und Japanisch standen und ein Programm auf meinem Computer, das zufällig ausgewählte Bilder zeigen.

Es ist übrigens recht interessant in Japan Ausländer beim Fahrradfahren zu sehen, weil so etwas wie "rechts vor links" in Japan nicht existiert, aber ein gewisser Rhythmus schon, den nur die Japaner erkennen können. D.h. wenn ein Ausländer da ist, wird es irgendwie chaotisch um ihn herum, obwohl niemand so richtig erklären kann warum. :)

Heute haben wir aber eine halbe Stunde genommen, damit endlich mal die Schüler miteinander kommunizieren können, um zu bestimmen, was sie auf der Abschlussfeier machen. Das war ja irgendwie ganz schön doof weil das in der Tat lediglich von den Schülern organisiert werden müsste. Aber na ja, es ist irgendwie doch wichtiger dass das erst funktioniert...

Die Japaner wollten tanzen (cf. das erste Foto). Den Rest habe ich aber nicht mitbekommen. Ich lasse mich einfach mal überraschen :)

Vor dem Anfang des Sprachunterrichts haben Julia und Sarah auch Zeit genommen, damit die Schüler zusammen singen konnten. Na ja, das könnte aber tatsächlich ein Teil des Sprachunterrichts sein, auch wenn der Liedtext nicht sonderlich schönes Deutsch ist (auch wenn ich immer noch nicht verrate was das ist für ein Lied :)

Es hat sich in diesem Sinne gelohnt, mir die Gitarre von Akane's Gastfamilie auszuleihen, weil die Schüler ja jetzt so viel Freude haben am singen, aber das wurde jetzt von Noah übernommen, der irgendwie auch eine Gitarre hatte.

Mittwoch, 20. August

Politik. Was ist das für ein Ding?

Japan ist ein sehr interessantes Land, auch wenn das Gleiche für Südkorea und China gesagt werden kann, dass sich die Wirtschaft so weit entwickelt hat, ohne dass sich jemand für Politik interessiert hat.

Ich habe im Unterricht mit der Frage angefangen, "was ist Politik?". Ich habe genau die Antwort erhalten, die ich haben wollte: Ich interessiere mich dafür, aber sie ist viel zu kompliziert.

So, im Rest des Unterrichts ging es hauptsächlich darum, wie nah man eigentlich ist an der Politik und damit, wie man sie bewegen könnte, mit Diskussionen etc.

Nach dem Unterricht gab's wieder etwas Stress wegen der Abschlussfeier von morgen. Ich weiß nicht ob es jemanden interessiert der hier diesen Text liest, aber der Stress kommt hauptsächlich daher, dass die Abschlussfeier grundsätzlich von den Schülern organisiert wird und rein administrativ niemand von uns verantwortlich ist. Es ist aber bei uns dadurch etwas unglücklich gelaufen dass wir zwei Kurse halten und die Klassenräume dafür zu klein sind. Daher ist es ja doch normal dass wir, die Lehrer, uns einsetzen müssen. So, die eigentlichen Ansprechpartner der Gastfamilien sind Hannah und ich, die Orientierungslehrer, aber da hat eine Gastmutter der Ami-gruppe ein ganzes Gebäude des Klinikums (in dem sie arbeitet) angeboten, allerdings kam diese Info nicht direkt zu uns, sondern zu Vanessa, die in unserer WhatsApp-gruppe aktiv war. Wir hatten gleichzeitig ein anderes Angebot von einem Grillplatz, das auch sehr attraktiv war aber wegen des Wetters doch nicht zur Auswahl stand, was sich aber erst vorgestern etwa feststand. Jedenfalls konnten wir keine definitive Antwort geben und wir (die Lehrer) dachten, dass Vanessa mit ihr persönlich Kontakt hätte und sie auf dem Laufenden gehalten hätte, was sich offensichtlich als falsch erwiesen hat. Insgesamt wird es trotzdem stattfinden. Es ist aber schade, dass das alles etwas unglücklich gelaufen ist, weil das nicht aus Faulheit oder böser Absicht entstanden ist, sondern aus Missverständnissen. Auf dem Rückweg (nachdem wir uns die Räumlichkeiten angeguckt haben) hatten Hannah und ich noch mal eine Diskussion darüber und was man hätte besser machen können. In dem Moment dachte ich mir, dass es besser gewesen wäre, wenn man von vorne rein eine zuständige Person bestimmt hätte, aber im Nachhinein denke ich, dass das vielleicht auch nicht besser gewesen wäre. Uns hat einfach eine ganz normale Kommunikation zwischen der Organisatorin und den Lehrern gefehlt. Es tut uns aber jedenfalls sehr leid dass wir es durcheinander gebracht haben.

Donnerstag, 21. August

Was ist denn eigentlich noch alles schwierig auszusprechen für die Japaner? Das deutsche "R". Wie üben die Japaner? Die gurgeln erstmal. Ne gute Lösung, wa?

Zum Glück brauchte ich damals kein Wasser um "r" auszusprechen, aber ich konnte es nicht in einem Wort sagen, so zum Beispiel bei "reparieren". Das aller aller erste Wort, das ich aussprechen konnte (rate mal Ute, du warst da in dem Moment), kam als wir uns über die olympischen Spiele unterhalten gefragt haben, wer auf dem dritten Platz war. Es war nämlich "Russland". Ich habe es einmal geschafft, beim zweiten Mal nicht mehr. Dann musste ich es mehrmals wiederholen, bis ich es einigermaßen hingekriegt habe.

Wegen der Abschlussfeier von heute Abend konnten sich die Schüler kaum noch auf den Unterricht konzentrieren. Das Thema war ja auch "Ausblick". Was soll man denn da noch machen?

Ich habe einfach mal die Schüler abgefragt, wohin sie gehen, was für eine Familie sie haben werden und vor allem, worauf sie sich freuen. Offentsichtlich kam aber meine Absicht nicht so richtig rüber und sie hatten nicht so richtig Ahnung, was sie dazu hätten erzählen sollen. Na ja, sagt einfach, dass eure neuen Gastfamilien so toll sind!!

Hier auf dem Foto habe ich sie einfach ganz frei Erwartungen am Austauschjahr aufschreiben lassen, weil ich wollte dass sie noch mal schriftlich vergewissern, warum sie nach Deutschland gekommen sind, und vor allem deswegen, weil sie sich nicht mehr daran erinnern können werden. Dadurch habe ich mich dazu verpflichtet, am 2. Juli 2014 in Hamburg zu sein, um ihnen diese Zettel zurückzugeben.

Nach dem Unterricht sind Hannah und ich zum Klinikum rübergegangen, das von der einen Gastmutter zur Verfügung gestellt wurde (s.o.). Wie gesagt, sollte die Abschlussfeier von den Schülern organisiert und wir wollten uns wirklich ums Minimum kümmern.

Zum Glück waren wir ja schon 2 Stunden im Voraus da, aber ich glaube ich hab durch zahlreiche Veranstaltungen in den letzten 3 Wochen verstanden: sie fangen pünktlich an, weil ich war sozusagen der Türsteher weil der Eingang nicht sehr eindeutig war und konnte sehen, dass tatsächlich niemand durch die Tür gegangen ist nach 18 Uhr, außer vielleicht Sarah, die aber selber sagt sie sei nicht so deutsch. (aha?)

Zum Anfang des Abschlussfestes haben die Schüler direkt das eine Lied gesungen, das sie in den letzten zwei Wochen gelernt haben: An der Nordseeküste. Eigentlich fanden sie den Text richtig doof (kann man aber verstehen...) aber das Lied an sich fanden sie ganz schön (vor allem die Amis). Ich habe dazu ein Video gemacht und wird hier bestimmt auftauchen, sobald ich rausgefunden habe, wie man es kleiner macht :) Die Gastfamilien kannten anscheinend den Text nicht und konnten anscheinend deswegen nicht mitsingen, aber handklatschen schon :) (Das war ja auch ganz gut)

Das Essen wurde auch von den Schülern organisiert. Die Japaner haben den japanischen Curry gekocht, der aber auch richtig gut bei den Leuten ankam. Die Amis gekaufte Kekse? Hm, keine Ahnung.

Allerdings hat es anscheinend recht viel Stress gegeben bei der Vorbereitung, vor allem bei der Gastfamilie von Miyu, weil die Gastmutter auch nicht so genau bescheid wusste und alles auf einmal auf sie zukam. Hm, na ja. So ähnlich hatte ich mir das vorgestellt und war dementsprechend keine Überraschung für mich. :)

Hier in diesem Jahr werden die Schüler wohl noch erfahren, was sie für Essen kochen können in Deutschland. Es ist zum Beispiel schwierig, Ramen (japanische Nudelsuppe) zu machen, weil man häufig schlürft. Und man sollte auch schlüfen in Japan, weil man damit zeigt, dass es einem schmeckt. Und es riecht vielleicht etwas ungewöhnlich für Deutsche.

Ansonsten ist die Misosupper auch schlecht in Deutschland. Sie hat zu wenig Geschmack. Es war mir auch klar, dass das Nori, das sie verteilt haben, nicht sonderlich populär sein würde, weil das ja eben auch fast gar keinen Geschmack hat. Traditionnel ist es in Japan immer so.

Letzte Woche haben die japanischen Schüler fleißig Zahlen gelernt (und sind auch einkaufen gegangen s. Eintrag vom 15. August). Wie kann man das demonstrieren?? - Bingo!! Also Bingo gespielt. Das war übrigens der Grund warum sich niemand so richtig am Unterricht beteiligen konnte. Die mussten die Karten noch herstellen :)

Die Amis wollten noch eine Rede halten, jeder einen Satz. Ich habe insgesamt nicht so häufig mit ihnen sprechen können und somit weiß ich nicht genau, was die Gastfamilien davon halten. Aber diejenigen die ich in der Stadt gesehen habe waren häufig mit den Deutschen unterwegs. Ich war jedenfalls von der Offenheit und der Freundlichkeit der amerikanischen Schüler recht überrascht. In diesem Sinne war es für die beiden Gruppen nicht so schwierig, eine gemeinsame Abschlussfeier zu halten.

Die Japaner haben in den letzten paar Tagen fleißig getanzt. Heute morgen konnte ich schon hören "woa, ich bin aufgeregt.". Aber als es soweit kam, konnte fast niemand mehr sprechen. Ich denke nicht dass es peinlich war, aber in Deutschland werden sie sowieso lernen, dass so was nie peinlich ist. In Frankreich hat sich eine Kollegin von mir beschwert, weil ich während meines Vortrags so gesprochen hätte, als wüsste ich alles. Das ist extrem positiv in Deutschland, und andersrum in manchen Ländern. Ich mach's weiter so, weil ich mag auch Leute die mit Selbstvertrauen sprechen, und ich möchte ganz gerne, dass meine Schüler das auch lernen :) Ansonsten war der Tanz an sich vielleicht etwas ungewöhnlich für die Deutschen, weil das eine sozusagen neulich in Fernosten enstandete Mode war. In Frankreich wäre es vielleicht ganz gut gegangen, weil die stehen voll auf solche Sachen (asiat. Mode).

Danach kam aber wie üblich in Deutschland "Zugabe! Zugabe!". Offensichtlich waren die Japaner total verwirrt und zwar TOTAAAAL, weil sie nicht wussten dass man in Deutschland einfach so was tut und einfach die Show beenden kann. So, die versuchen sich etwas einfallen zu lassen. Nach einer 5-minütigen chaotischen Diskussion war es dann doch vorbei. Vielleicht hätte ich schon vorher darauf hinweisen sollen...

Dann war die Feier an sich vorbei. Im Gegensatz zum Stress war es im Allgemein ganz gut. Es gab zum Glück keinen Abschied mit Tränen. Morgen ist der letzte Tag. Tja.

Freitag, 22. August

Der letzte Tag sah aus, als sei es ein ganz normaler Tag. Aber irgendwo in der Luft konnte man die Spannung spüren, die man zum Beispiel vor der Klausur spürt, oder auf dem Flughafen. Auch wenn für mich der Flughafen mittlerweile ein ganz gewöhnlicher Ort ist, wird er niemals normal sein. Mir kommt es immer so vor, als würden die Leute teilweise gar nicht atmen.

Kurz vor dem Mittagessen ging Julia weg. Die Schüler haben sie alle gemocht und ich hab persönlich großen Respekt vor ihr als Lehrerin, auch wenn ich nicht sonderlich kooperativ war.

Nach dem Essen habe ich es also übernommen, obwohl ich da auch nichts mehr zu sagen hatte. Die Plakate haben wir ganz gut loswerden können. Davon waren eigentlich ganz viele aber sie wollten sie haben. Ich weiß gar nicht mehr was wir vor zehn Jahren damit gemacht haben, aber ich hatte jedenfalls kein Plakat hinterher.

Während Hannah und ich das Geschirr etc. aufgeräumt haben, hatten meine Schüler den Klassenraum aufgeräumt (vor allem Miyu, danke). Somit musste ich fast nichts mehr machen als ich da angekommen bin.

Zu meiner Überraschung habe ich ein Bild mit kurzen Sätzen von jedem, ein Kuscheltier :) und Karten bekommen von den Schülern.

Wir sind dann noch mal alle zusammen in die Stadt gegangen, um bei Janny's, zum letzten Mal, Eis zu essen. Das Ende kam plötzlich, als ich einen Anruf von Hannah bekommen habe, dass die Sachen, die noch im Klassenraum lagen, rausgenommen werden mussten. Ich habe jeden Schüler einmal in den Arm genommen, ganz ungewöhnlich in Japan, und fuhr los.

Der Himmel war wieder grau in dieser kleinen Stadt, so wie er an meinem ersten Tag in Deutschland war. Wir sehen uns am 2. 7. 2015, aber nicht am gleichen Ort.

Viel Spaß.

Mein persönlicher Epilog